CertBase Community
Die Lernplattform für Ihren Erfolg
Zertifizierung in der IT-Branche

  1. Die ersten Zertifizierungsprogramme
  2. Mit Training zum Zertifikat
  3. Die Prüfung
  4. Motivation der Beteiligten
  5. Überblick über die wichtigsten Programme
  6. Chancen, Risiken und Trends 
  7. Zertifizierungen als Bindeglied in der Aus- und Weiterbildung

Dieser Artikel soll Ihnen einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und die Notwendigkeit von Zertifizierungen in der IT-Branche geben. Dabei wird ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein Überblick über das derzeitige Zertifizierungsprogramm verschiedener Technologiehersteller gegeben.

Die ersten Zertifizierungsprogramme

Seit die Firma Novell im Jahr 1989 ihr Zertifizierungsprogramm für den Certified Netware Engineer (CNE) startete, scheinen IT-Zertifikate aus dem Boden zu schießen wie Pilze nach einem warmen Sommerregen. Als erster IT-Hersteller hatte Novell ein komplettes IT-Trainings-Curriculum entwickelt und mit einem adäquaten, weltweit einheitlichen Testverfahren kombiniert. Novell hat damit Maßstäbe gesetzt und zahlreiche Hersteller animiert, eigene Zertifizierungsprogramme für ihre Produkte und Technologien zu entwickeln. So nahm die Anzahl von IT-Zertifizierungsprogrammen in den letzten 15 Jahren stetig zu. Vier Jahre, nachdem Novell sein CNE-Programm auf den Markt brachte, zählte man weltweit ca. 20 Programme. 1996 waren es bereits 70 und gegenwärtig gibt es etwa 300 unterschiedliche IT-Zertifikate.

Weltweite IT-Zertifizierungsprogramme von 1989 bis heute

 

Zertifizierungsprogramme sind Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die überwiegend curricular, das heißt nach einem mehrstufigen Lehrplan aufgebaut sind und mit einem formellen Zeugnis - dem Zertifikat ­abgeschlossen werden. IT-Zertifizierungen sind - von wenigen Ausnahmen abgesehen -herstellerbezogen. Die entsprechenden Programme umfassen Weiterbildungsmaßnahmen und formale Prüfungen. Sie werden in der Regel von IT-Herstellern wie Microsoft, Novell, SAP, etc. konzipiert und - häufig mit Hilfe von Partnerunternehmen - im Markt etabliert. Neben den Zertifikaten der Hersteller konnten sich bislang nur wenige übergreifende und herstellerneutrale Zertifizierungsprogramme wie das A+-Zertifikat für PC-Techniker der Computing Technology Industry Association (CompTIA) etablieren.

Mit der wachsenden Bedeutung der Informationstechnologie, der zunehmenden Vernetzung und Integration von Systemen unterschiedlicher Hersteller wuchs auch der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die diese komplexen Umgebungen konzipieren, installieren und warten können.

Weltweit hat sich in den letzten 10 Jahren neben dem staatlichen Bildungssystem ein "vierter Bildungsweg" entwickelt. In Ergänzung zu Lehr­und Studiengängen an Universitäten und Fachhochschulen gewinnen hersteller- und berufsbezogene Zertifizierungen zunehmend an Bedeutung. Nach einer Studie von Deloitte & Touche werden in den nächsten 10 Jahren 80% der neu entstehenden Jobs durch neue Technologien geschaffen.

Durch entsprechende Trainingsmaßnahmen und Zertifizierungsprogramme werden aktuelle Technologie- und Produktinhalte von kommerziellen Anbietern zielgerichtet vermittelt und mit einem formalen Zertifikat nachgewiesen. Im Unterschied zu herkömmlichen Bildungsabschlüssen sind diese Zertifikate in der Regel jedoch nur befristet gültig und müssen in bestimmten Abständen erneuert werden. Ein IT-Profi, der beispielsweise die Zertifizierung als Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE) für Windows NT 4.0 erlangt hat, ist damit keineswegs auch für die Folgeversion Windows 2000 zertifiziert. Für die Erneuerung von einmal erworbenen Zertifikaten bieten die Hersteller allerdings häufig sogenannte "Upgrade-" oder "Migrationspfade" an, die eine beschleunigte Rezertifizierung ermöglichen.

Mit Training zum Zertifikat

Ohne Training keine Zertifizierung - dies gilt selbst für erfahrene IT-Profis. Die Methoden und Wege, mit denen ein Training erfolgt, sind allerdings sehr unterschiedlich und hängen stark von persönlichen Faktoren und wirtschaftlichen Erwägungen ab. Nach einer Untersuchung von Microsoft bereiten sich über 60% der Prüfungskandidaten mit Hilfe von Produktdokumentation, computergestützten Medien, Fachliteratur oder technischen Infos der Hersteller im Selbststudium auf ihre Zertifizierung vor. 15% erwerben das für die Zertifizierung nötige Wissen "on the job" und ein Viertel durch die Teilnahme an formalen Präsenztrainings.

Formales Präsenztraining, sei es als offene Katalogkurse oder als geschlossene firmenspezifische Veranstaltungen, leistet nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur Zertifizierungsvorbereitung. Einige IT-Hersteller wie SAP und Oracle betreiben ihr Produkt-und Technologietraining als eigenständigen Geschäftsbereich mit eigenen Trainingszentren. Andere Hersteller wie Microsoft und Novell haben dagegen ein sehr weitgehendes Partnermodell entwickelt und damit das Training und die Zertifizierungsvorbereitung auf unabhängige Partnerunternehmen übertragen. Autorisierte Trainingsanbieter müssen strikte Kriterien erfüllen und erhalten nach Zahlung einer jährlichen Gebühr von mehreren Tausend DM den begehrten Status als Microsoft Technical Education Center (CTEC), Novell Authorized Education Center (NAEC), oder als Lotus Authorized Education Center (LAEC). Durch die Verpflichtung zum Einsatz von Original-Schulungsunterlagen kontrollieren die IT-Hersteller Inhalte und Qualität der Zertifizierungskurse bei ihren autorisierten Schulungspartnern.

Zunehmende Bedeutung für die Zertifizierungsvorbereitung erlangt das Online Learning, bei dem die Trainingsteilnehmer über das Internet -oder auch ein firmeninternes Intranet -Schulungsinhalte abrufen, sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen und dabei gegebenenfalls von einem Teletutor gecoacht werden.

Die Zertifizierungsprüfung

Wenn es für die Vorbereitung auf die Zertifizierung wie oben beschrieben viele Wege gibt, so ist die Zertifizierungsprüfung dagegen bei allen Programmen sehr stark formalisiert. Hersteller wie Microsoft, Oracle, Novell und Lotus haben das eigentliche Prüfungsverfahren an spezialisierte Prüfungsunternehmen wie Virtual University Enterprises (VUE) oder Sylvan Prometric übertragen. Diese Unternehmen lizenzieren ihrerseits weltweit eigenständige Trainingsunternehmen als autorisierte Testzentren. In diesen Testzentren absolvieren die Zertifizierungskandidaten computergestützte Tests, häufig nach dem Multiple-Choice-Verfahren. Hier wird den Prüflingen das Ergebnis unmittelbar nach Abschluss des Tests mitgeteilt. Bei den Prüfungen zur SAP-Zertifizierung dauert es im Schnitt immerhin drei Wochen, bis der Prüfling das Ergebnis erfährt.

Zertifizierungsprüfungen sind mittlerweile selbst zu einem boomenden Zweig der Aus-und Weiterbildungsbranche geworden. Heerscharen von Spezialisten befassen sich mit der Entwicklung und Aktualisierung von Prüfungsszenarien und -fragen. Weltweit gibt es mehrere Tausend Testzentren, in denen 1999 über 2,5 Millionen Tests abgewickelt wurden.

Die Motivation der IT-Hersteller

IT-Hersteller produzieren stark erklärungsbedürftige Produkte und Technologien. Sie sind darauf angewiesen, dass auf dem Markt ausreichendes Know-how verfügbar ist. Umso besser, wenn dieses Know­how durch ein anerkanntes Zertifikat formal nachgewiesen werden kann. Dies schafft Vertrauen und stärkt das Image und die Marktposition. Zertifikate ermöglichen es den Herstellern, bei ihren Vertriebs- und Implementierungspartnern nachvollziehbare Standards zu schaffen. Die Anzahl und geografische Verbreitung von zertifizierten Spezialisten ist für IT-Unternehmen darüber hinaus eine wichtige Information für die Marktanalyse und den Vertrieb ihrer Produkte. 9 von 10 IT-Herstellern verfügen aus diesen Gründen über entsprechende Zertifizierungsprogramme als integraler Bestandteil ihrer Vertriebs- und Supportstrategie.

IT-Hersteller profitieren in einer weiteren Hinsicht ganz direkt von ihren Zertifzierungsprogrammen: Durch Trainings-und Lizenzgebühren für Autorisierungen, Schulungsunterlagen und Zertifizierungsprüfungen werden im IT-Bereich jährlich mehrere Hundert Millionen Dollar umgesetzt. So überrascht es keineswegs, dass die meisten Hersteller ihr Technologie- und Zertifizierungstraining als eigenständigen, gewinnorientierten Geschäftsbereich betreiben.

Die Motivation der IT-Fachkräfte

IT-Fachkräfte und solche, die es werden wollen, stehen heute vor der Situation, dass das erforderliche IT-Wissen im Zeitraum von 3 bis 5 Jahren vollständig erneuert werden muss. Jeder IT-Job wird damit zu einem permanenten Wettlauf um Aus- und Weiterbildung. In diesem sich rasant verändernden Umfeld bieten Zertifikate strukturierte Anhaltspunkte für aktuelle Ausbildungsziele mit hohem Marktwert. Zertifizierungsprogramme sind eine wichtige Entscheidungshilfe für IT-Fachkräfte. Sie beantworten die Frage: "Was muss ich wissen und wo soll ich anfangen?"

Was bewegt nun einen IT-Spezialisten, der vielleicht schon seit Jahren erfolgreich in der Branche tätig ist, über Wochen oder gar Monate auf Konzerte, Kino und sonstige Freizeitaktivitäten zu verzichten und die Mühsal einer Zertifizierung auf sich zu nehmen? Es sind in erster Linie die Sicherung des eigenen Marktwerts sowie die Aussichten auf eine höherwertige und interessante Tätigkeit. Nach einer australischen Studie lag Mitte der neunziger Jahre die Aussicht, auf Anhieb einen Job zu bekommen, mit einem Universitätsabschluss bei 38%, mit einer IT-Zertifizierung dagegen bei 69%. Die Firma Oracle hat 1999 eine Umfrage unter zertifizierten Oracle Certified Professionals (OCP) durchgeführt. Die Antworten sind überwältigend positiv:

  • 97% der Befragten gaben an, dass sie von der Zertifzierung profitiert hätten.  
  • 89% hatten nach der Zertifizierung größeres Vertrauen in ihre Fachkenntnisse als vorher. 
  • 96% würden das Zertifzierungsprogramm weiterempfehlen.

Ein Mitarbeiter oder Bewerber, der eine Zertifizierung absolviert hat, kann damit nicht nur eine höhere Qualifikation nachweisen. Er hat auch seine Bereitschaft zu Engagement und Leistung und zur eigenen Weiterbildung unter Beweis gestellt. Ein zusätzlicher Anreiz sind die vielfältigen Vergünstigungen, mit denen IT-Hersteller zertifizierungswillige Profis locken. So haben zertifizierte IT-Spezialisten Zugriff auf brandneue technische Informationen. Sie erhalten Zugang zu nicht öffentlichen Bereichen und Newsgroups im Internet, werden in spezielle Verteiler der Hersteller aufgenommen und erhalten häufig gratis Software-Abonnements. Preisnachlässe für Messen und technische Veranstaltungen gehören ebenfalls zum Repertoir der Vergünstigungen. Zertifizierte Spezialisten erhalten von den Herstellern auch Unterstützung für das Eigenmarketing. Sie dürfen sich in ihrem Lebenslauf und auf ihrer Visitenkarte zum Beispiel mit einem eigenen Zertifizierungslogo schmücken.

Vorgehensweise für Zertifizierungswillige

Wie geht ein Interessent nun vor, wenn er eine Zertifizierung in Angriff nehmen möchte? Als erster Schritt empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit einem vom entsprechenden Hersteller autorisierten Trainingsanbieter. Autorisierte Trainingsanbieter verfügen über qualifizierte Berater, die zusammen mit dem Interessenten das Zertifikat auswählen, das den beruflichen Zielen und den Anforderungen des Unternehmens entspricht. Zur Vorbereitung auf das Zertifikat erstellt der Berater einen Ausbildungsplan, der die erforderlichen Inhalte abdeckt und die persönliche und berufliche Situation des Kandidaten berücksichtigt. Zur Vorbereitung auf die Zertifizierungsprüfung ist die Teilnahme an entsprechenden Kursen zwar nicht zwingend erforderlich. In vielen Fällen ist sie jedoch der schnellste und oft auch der wirtschaftlichste Weg. Nach einer Trainingsphase sollte das erworbene Wissen unbedingt nachbereitet und in einer Live-Umgebung angewandt werden. Der letzte Schritt ist schließlich die Zertifizierungsprüfung selbst, entweder bei einem autorisierten Testcenter oder direkt beim Hersteller.

Die Motivation der Arbeitgeber

Am meisten scheiden sich die Geister am Für und Wider von Zertifizierungen im Lager der Arbeitgeber. Die Gegner von Zertifizierungen sehen den Vorteil in erster Linie bei den Mitarbeitern, nicht beim Unternehmen. Was wirklich zähle, sei das Know-how, nicht das Zertifikat. Training sei hierfür durchaus erforderlich, nicht jedoch die Zertifizierung. Mitarbeiter würden durch eine Zertifizierung nur ihren Marktwert erhöhen und anschließend entweder mehr Gehalt fordern oder sich einen besser bezahlten Job suchen.

Die Befürworter halten dem entgegen, dass Mitarbeiter, deren Zertifizierung vom Arbeitgeber unterstützt wird, zufriedener und loyaler seien als die Mitarbeiter, denen dies verwehrt wird. Ambitionierte Mitarbeiter zertifizieren sich auch dann, wenn sie vom Unternehmen nicht unterstützt werden. Die Bindung an das Unternehmen erhöht das nicht gerade. In der Tat gibt es keine Erkenntnisse über erhöhte Fluktuation bei zertifizierten Mitarbeitern. Eine von Novell beauftragte IDC-Studie von 1999 ergab, dass in 61% der befragten Unternehmen die Fluktuation bei zertifizierten Mitarbeitern nicht höher ist als bei nicht zertifizierten. Richtig eingesetzt, kann die Zertifizierung von Mitarbeitern dagegen ein wirkungsvolles Instrument zur Personalentwicklung und -bindung sein und einen wichtigen Beitrag zum Betriebsklima leisten. Es ist richtig, dass Training und Zertifizierung von Mitarbeitern Geld kostet, die Rekrutierung entsprechend qualifizierter Spezialisten aber auch.

 

Es sind aber nicht nur die sogenannten "weichen" Faktoren, die für eine Zertifizierung von Mitarbeitern sprechen. Selbst harte betriebswirtschaftliche Fakten sprechen dafür. Die Studie "Benefits and Productivity Gains Realized Through IT Certification" der International Data Corporation brachte folgende Erkenntnisse:

  • Zertifizierte Spezialisten bewältigten 40% mehr Support-Anfragen als unzertifizierte.
  • In Firmen, die ihre Mitarbeiter zertifizierten, war die Ausfallrate von IT-Systemen um 49% niedriger.
  • In der Mehrzahl der untersuchten Firmen hatten sich die Kosten für die Zertifizierung der Mitarbeiter durch höhere Produktivität in weniger als 9 Monaten amortisiert.

Unternehmen, die ihre IT-Mitarbeiter zertifizieren, setzen nicht nur intern entsprechende Signale. Zertifizierungen dienen zunehmend als Standard bei der Personalsuche. Zertifikate sind nachweisbar. Dies gilt nicht unbedingt für alle sonstigen Angaben in Bewerbungen und Lebensläufen. In einem hart umkämpften Markt grenzen sich Unternehmen von ihrem Mitbewerb immer häufiger durch die nachweisliche Qualifikation ihrer Mitarbeiter ab. Zertifizierungen gelten als Qualitätsmaßstab, der Vertrauen bei den Kunden schafft und das eigene Image stärkt.

Die höchste Motivation für die Zertifizierung ihrer Mitarbeiter haben sicher die Unternehmen, die selbst eine Autorisierung durch einen IT-Hersteller anstreben. Zertifizierte Mitarbeiter sind in aller Regel die Voraussetzung für den Status eines autorisierten System-, Lösungs- oder Impementierungspartners. Dies gilt keineswegs nur für kleine und mittlere Unternehmen. Auch weltweit tätige Konzerne wie Siemens, Hewlett-Packard oder Debis verfügen über Autorisierungen von IT-Herstellern und damit über zertifizierte Mitarbeiter. Laut einer von Novell beauftragten IDC-Studie vom November 1999 ist für etwa zwei Drittel der befragten Unternehmen die Zertifizierung ein Kriterium für die Vergabe von Aufträgen an IT-Dienstleister oder Subunternehmer.

Überblick über die wichtigsten Programme

Die wachsende Zahl an Zertifizierungen hat der an kryptischen Kürzeln ohnehin nicht armen IT-Szene eine Flut von Titeln und Abkürzungen beschert: ASE, ACT, CNE, CNA, CCIE, MCP, MCSE, MCSD, OCP, RHCE, etc., etc. Im folgenden wird eine Auswahl der wichtigsten IT-Zertifizierungen dargestellt. Die Auswahl der Zertifizierungsprogramme erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Microsoft

Die Zertifizierungsprogramme von Microsoft zeichnen sich durch große Bandbreite und Spezialisierungsmöglichkeiten aus. Sie bestehen aus insgesamt 10 Zertifikaten mit zahlreichen Varianten innerhalb der einzelnen Programme. Die Programme sind einerseits abgestuft. So beginnt der angehende Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE) seine Zertifizierungslaufbahn zunächst als Microsoft Certified Professional (MCP). Andererseits stehen für unterschiedliche Tätigkeitsbereiche parallele, nicht aufeinander aufbauende Premium-Zertifikate zur Verfügung. System-und Netzadministratoren streben den genannten MCSE an, Software-Entwickler dagegen den Microsoft Certified Solution Developer (MCSD). Für Datenbankadministratoren wurde das jüngste Premium-Zertifikat, der Microsoft Certified Database Administrator (MCDBA) entwickelt. Die Programme im Überblick:
  • Microsoft Certified Professional (MCP)
  • Microsoft Certified Desktop Support Technician (MCDST)
  • Microsoft Certified System Administrator (MCSA)
  • Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE)
  • Microsoft Certified Application Developer (MCAD) 
  • Microsoft Certified Solution Developer (MCSD)
  • Microsoft Certified Database Administrator (MCDBA)
  • Microsoft Office User Specialist (MOUS)
  • Microsoft Certified Trainer (MCT)
  • Microsoft Sales Specialist (MSS)

Novell

Novell ist zweifellos der Pionier der Zertifizierungsszene und kann auch heute noch die höchste Anzahl an zertifizierten Spezialisten vorweisen. Im Mittelpunkt steht der Certified Novell Engineer (CNE), das Programm, das 1989 als erstes in der Branche unter dem Namen Certified Netware Engineer ins Leben gerufen wurde. Durch Zusatzprüfungen kann sich ein CNE zum Master CNE weiter qualifizieren. Abgerundet wird das Programm durch den Certified Novell Administrator (CNA) und den Certified Internet Professional (CIP). Auch bei Novell gibt es für Trainer eine eigenes Zertifikat, den Certified Novell Instructor (CNI). Das Novell-Programm im Überblick:

  • Certified Novell Administrator (CNA)
  • Novell Certified Internet Professional (CIP)
  • Certified Novell Engineer (CNE)
  • Master CNE
  • Certified Novell Instructor (CNI)

Lotus

Dem Trend zur Zertifizierung kommt auch Lotus mit einem abgestuften Programm entgegen. Die Zertifizierung beginnt beim Certified Lotus Specialist (CLS) und führt über den Certified Lotus Professional (CLP) hin zum Principal CLP. Für Trainer bietet Lotus den Certified Lotus Instructor (CLI) an. Im Überblick:

  • Certified Lotus Specialist (CLS)
  • Certified Lotus Professional (CLP)
  • Principal CLP
  • Certified Lotus Instructor (CLI)

Oracle

Oracle Certification Program (OCP) ist der Überbegriff für die Zertifkate des Datenbankmarktführers Oracle. Das Programm ermöglicht die Spezialisierung als Datenbankadministrator mit den Zertifikaten Database Operator und Database Administrator sowie als Software-Entwickler mit dem Oracle Java Developer und dem Oracle Application Developer. Für die Produktlinie Oracle Applications steht im Bereich der betriebswirtschaftlichen Anwendungssoftware das Zertifikat Oracle Financial Applications Consultant zur Verfügung. Das OCP-Programm im Überblick:

  • Oracle Certified Professional (OCP)
  • Database Operator
  • Database Administrator
  • Oracle Java Developer
  • Oracle Application Developer
  • Oracle Financial Applications Consultant

Sun

Sun Microsystems, Hersteller von Workstations mit dem UNIX-Betriebssystem und Lizenzgeber der Programmiersprache Java hat zwei Programmschienen entwickelt: für Software-Entwickler die Zertifizierung zum Sun Certified Programmer und Sun Certified Developer sowie für UNIX-Systemadministratoren das zweistufige Zertifikat zum Sun Certified System Administrator for Solaris.

  • Sun Certified Programmer für Java
  • Sun Certified Developer für Java
  • Sun Certified System Administrator for Solaris, Part 1+2

Cisco

Als Marktführer in der Netzwerktechnologie hat Cisco Systems eines der angesehensten und kostspieligsten Zertifizierungsprogramme der IT-Branche entwickelt: die Cisco Career Certifications. Cisco-Zertifikate können in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen erworben werden: Associate, Professional und Expert. Das Flagschiff der Cisco-Zertifizierungen ist zweifellos der Cisco Certified Internet Expert (CCIE). Als Vorstufe stehen zwei Netzwerk- sowie zwei Designzertifikate zur Verfügung. Die Cisco Career Certifications im Überblick:

  • Cisco Certified Network Associate (CCNA)  
  • Cisco Certified Network Professional (CCNP)  
  • Cisco Certified Design Associate (CCDA)  
  • Cisco Certified Design Professional (CCDP)  
  • Cisco Certified Internet Expert (CCIE)

Compaq

Unter der Bezeichnung Compaq Technical Accreditation hat auch der PC-Hersteller Compaq ein eigenes Zertifizierungprogramm konzipiert. Es beinhaltet die Zertifikate Accredited Compaq Technician (ACT), Accredited Systems Engineer (ASE) sowie das weiterführende Zertifikat zum Accredited Systems Engineer Professional (ASE Professional). Trainer, die die entsprechenden Zertifizierungskurse durchführen wollen, haben die Möglichkeit, sich als Accredited Compaq Instructor (ACI) zu zertifizieren. Das Compaq-Programm im Überblick:

  • Accredited Compaq Technician (ACT)
  • Accredited Systems Engineer (ASE)
  • Accredited Systems Engineer Professional (ASE Professional)
  • Accredited Compaq Instructor (ACI)

SAP

Der Weltmarktführer im Bereich der betriebswirtschaftlichen Anwendungssoftware bietet zur R/3-Produktlinie die Zertifizierung zum Anwendungsberater oder zum Technical Consultant an. Anwendungsberater können sich in mehr als 10 Anwendungsbereichen und Modulen zertifizieren lassen. Das Spektrum reicht hierbei vom Rechnungswesen über Materialwirtschaft, Personalwirtschaft bis hin zu Qualitätsmanagement. Die Zertifizierung zum SAP R/3 Technical Consultant umfasst zwei Stufen: die Erst-und die Zusatzzertifizierung. Spezialisierungen sind möglich für diverse Betriebssysteme (Unix, Windows NT, AS/400) und Datenbanken (Oracle, SQL Server, Informix, DB2, etc.). Im Überblick:

  • SAP R/3 Anwendungsberater
  • SAP R/3 Technical Consultant

Linux

Linux nimmt im schnell expandierenden Universum der IT-Zertifizierungen eine Sonderstellung ein. Linux ist als sogenannte "Open Source Software", an der weltweit zahlreiche Software-Entwickler zum großen Teil unentgeltlich beteiligt sind, kein Herstellerprodukt im eigentlichen Sinne. Um Linux als Betriebssystem auch für kommerziellen und unternehmenskritischen Einsatz attraktiv zu machen, vermarkten Distributoren wie SuSE und Red Hat das Betriebssystem zusammen mit Mehrwertdiensten wie Service, Training und Support. In der von viel Idealismus und der Ablehnung kommerzieller Absichten geprägten Linux-Gemeinde wurde als übergeordneter, neutraler Verband das Linux Professional Instititute (LPI) gegründet. Das LPI wird von den meisten Distributoren sowie einer Reihe von Organisationen und Privatpersonen gesponsert und hat unter anderem den Auftrag, ein neutrales Zertifizierungsprogramm zu entwickeln, das nicht an eine bestimmte Linux-Distribution gebunden ist.

Die Zertifizierung des Linux Professional Institute (LPIC)

Die LPI-Zertifizierung (LPIC) umfasst drei Stufen: die Level 1­Zertifizierung, die Anfang 2000 fertiggestellt wurde sowie Level 2 und Level 3, die sich derzeit in Entwicklung befinden und nach Angaben des LPI im Laufe des Jahres 2000 verfügbar sein sollen. Im Unterschied zu den meisten Herstellerzertifikaten ist die LPI-Zertifizierung unbefristet gültig.

Red Hat Certified Engineer (RHCE)

Völlig eigene Wege geht Red Hat, die Nummer Zwei unter den Linux-Distributoren. Red Hat hat eine speziell auf die eigene Linux-Distribution zugeschnittene Zertifizierung für den Red Hat Certified Engineer (RHCE) entwickelt.

Computing Technology Industry Association (CompTIA)

Die Computing Technology Industry Association (CompTIA) ist ein Verband von weltweit mehr als 7.500 Mitgliedsunternehmen, dem unter anderem IBM, Microsoft, Novell, Compaq und Intel angehören. Ähnlich wie beim Linux Professional Institute, entscheidet auch bei der CompTIA ein aus den verschiedenen Herstellern und Organisationen zusammen gesetztes Gremium über die Anforderungen für die Zertifizierungsprogramme. Grundprinzip ist die Herstellerneutralität für die Zertifizierungen zum PC-Techniker (A+) Netzwerktechniker (Network+) und Internet-Spezialisten (i-Net+). In Deutschland konnte sich bislang nur die A+-Zertifizierung ansatzweise etablieren.

Sonstige Zertifizierungsprogramme

Die oben aufgeführten Beispiele für IT-Zertifizierungen mit weltweiterVerbreitung sind nur ein Auszug. Eine vollständige Auflistung würde denhier verfügbaren Rahmen sprengen und wäre innerhalb weniger Wochen bereits wieder überholt. Neben den genannten Herstellern undOrganisationen verfügen auch Unternehmen wie IBM, Hewlett-Packard,3com und viele andere über eigene, zum Teil sehr stark diversifizierteZertifizierungsprogramme.   

Chancen, Risiken und Trends

IT-Zertifizierungen haben sich in den letzten 10 Jahren weltweit als flexible und aktuelle Bildungswege bewährt. Dieser Trend wird sich ohne Zweifel verstärken. Eine wachsende Zahl von Personalleitern und -entwicklern im IT-Umfeld ist bereits heute der Ansicht, dass IT-Zertifizierungen wichtiger sind als Universitätsabschlüsse. Ein wichtiger Gradmesser hierfür sind die zunehmenden Nennungen von Zertifikaten in den Stellenanzeigen für IT-Jobs.

Risiken

Eine Gefahr für das Ansehen von Zertifikaten geht wohl von den häufig sehr unterschiedlichen Qualitätsniveaus der Aus-und Weiterbildungsanbieter aus. Kein Hersteller kann einen Weiterbildungsanbieter daran hindern, auch ohne Autorisierung Lehrgänge anzubieten, die angehende Fachkräfte auf eine Zertifizierung hinführen sollen. Die in den Lehrgängen verwendete technische Ausstattung, die Schulungsunterlagen sowie die eingesetzten Referenten unterliegen dabei keinen standardisierten Qualitätskriterien. Einige Trainingsanbieter legen gar den Schwerpunkt auf das Abarbeiten von Prüfungsfragen anstelle der Vermittlung von praxisrelevantem Know-how. Das Ergebnis sind "Papierzertifikate", bei denen ihre Inhaber Gefahr laufen, die Probezeit in einer entsprechend anspruchsvollen Position nicht zu überstehen.

IT-Hersteller befinden sich aufgrund des harten Wettbewerbs mit ihren Zertifizierungsprogrammen häufig in einem Zielkonflikt. Einerseits leidet bei niedrigen Prüfungshürden sowie einer inflationären Verbreitung von Trainingsanbietern und Lehrgängen die Qualität und damit der Marktwert von Zertifikaten. Ein schlechteres Image für bestimmte Zertifikate färbt jedoch auch auf die Produkte des Herstellers ab. Andererseits müssen die Hersteller ein gesteigertes Interesse daran haben, möglichst viele qualifizierte und zertifizierte Spezialisten für ihre jeweiligen Produkte und Technologien auf dem Markt verfügbar zu haben. Denn nur dann, wenn das Know-how für die Implementierung von Technologien in ausreichendem Umfang bereit steht, werden sich mittelständische und weltweit tätige Großunternehmen für den jeweiligen Hersteller entscheiden.

Anforderungen an künftige Zertifizierungsprogramme

Erforderlich sind daher von Seiten der Hersteller anspruchsvolle, praxisorientierte und zunehmend integrierte Zertifizierungsprogramme. Die Hürde, ein Zertifikat zu erlangen, darf keinesfalls zu niedrig sein. Die von einigen Herstellern bereits begonnene Umorientierung bei den Prüfungsmethoden muss konsequent weitergeführt werden. Waren früher Multiple Choice-Fragen die Regel, in denen auswendig gelerntes Wissen abgefragt wurde, beinhalten jetzt immer mehr Zertifizierungsprüfungen praktische Live-Simulationen und Fallstudien. So wurde beispielsweise in die aktuelle Prüfung für den Microsoft Certified Solution Developer eine detaillierte Fallstudie eingearbeitet. Die Examenskandidaten müssen Daten aus unterschiedlichen Bereichen zusammentragen, analysieren und aufbereiten.

Die prestigeträchtige CCIE-Zertifizierung beinhaltet gar umfangreiche Praxistests in einer Laborumgebung. Beispielgebend für integrierte, über die eigenen Produkte hinaus gehende Zertifizierungen sind das Compaq Technical Accreditation Program, das auf die Produkte und Technologien anderer Hersteller wie Microsoft, Novell, Oracle und SAP abgestimmt ist. Das neue Novell-Zertifikat Certified Directory Engineer (CDE) umfasst ebenfalls eine Prüfung in einer Online-Laborumgebung und weist nicht nur Know-how zu Produkten von Novell nach, sondern auch zu denen der Mitbewerber. Diese Programme wurden unter dem Aspekt einer ineinandergreifenden Infrastruktur entwickelt, in denen Produkte und Technologien unterschiedlicher Hersteller nebeneinander existieren.

Neben der Praxisorientierung und der Berücksichtigung herstellerübergreifender Aspekte sollten weiterhin analytische Fähigkeiten, Problemlösungstechniken und sonstige "Soft Skills" wie Projektmanagement bei der Gestaltung von künftigen Zertifizierungsprogrammen berücksichtigt werden.

Erforderlich sind klare Qualitätskriterien auch bei der Autorisierung von Trainingsanbietern. Eine Übertragung der Kontrollfunktion an unabhängige Institute oder Organisationen, wie dies etwa bei den DIN ISO 9000­Zertifizierungen sinnvoll und notwendig ist, ist bei herstellerbezogenen Zertifizierungen problematisch. Zu groß ist die Gefahr einer übertriebenen Reglementierung und Bürokratisierung, von einer Verteuerung der Zertifizierungslehrgänge ganz zu schweigen. Die Kontrolle der Weiterbildungsanbieter und Zertifizierungslehrgänge sollte daher den IT-Herstellern und dem Markt überlassen bleiben. Zertifizierungswillige Fachkräfte und Unternehmen auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern kommen nicht umhin, sich die Weiterbildungsanbieter sehr genau anzusehen.

Zertifizierungen als Bindeglied in der Aus- und Weiterbildung

Trotz der oben genannten Einschränkungen sind IT-Zertifikate heute nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich als vierter Bildungsweg im IT-Bereich etabliert. Zertifizierungen sind in einem gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld, das von allen Beteiligten die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen verlangt, ein höchst flexibles Instrument der ergänzenden Aus- und Weiterbildung. Sie können dazu beitragen, den Prozess der Aus- und Weiterbildung zu entzerren und effektiver zu gestalten.

Kein Studiengang kann es leisten, fundiertes Wissen über die wichtigsten Technologien und Produkte aller namhaften Hersteller zu vermitteln. Dies wäre auch gar nicht sinnvoll. Zu unterschiedlich sind schließlich die Tätigkeitsfelder eines Cisco Certified Internet Expert zu denen eines zertifizierten Oracle-Datenbankadministrators. Wissen wird nicht auf Vorrat angehäuft, sondern mit aktuellen Inhalten dann erworben, wenn es benötigt wird. Ein Zertifikat kann dabei als Nachweis für aktuell erworbenes und marktrelevantes Wissen dienen. Zertifizierungsprogramme haben eine wichtige Funktion als Bindeglied zwischen der staatlichen Ausbildung an Schulen und Hochschulen und den gängigen, produktorientierten IT-Trainings, mit denen häufig nur eine sehr begrenzte Problemstellung adressiert wird.

In der gegenwärtigen Diskussion um die "Green Card" für qualifizierte ausländische IT-Spezialisten, die den eklatanten Arbeitskräftemangel in der deutschen IT-Branche lindern sollen, können Zertifikate eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung spielen. Im Gegensatz zu Hochschul- oder sonstigen Diplomen sind die Standards und Prüfungsverfahren für die modernen IT-Zertifikate ein Beispiel der Globalisierung: sie sind weltweit absolut vergleichbar.

Die Diskussion um Sinn und Zweck von IT-Zertifikaten lässt sich zusammenfassend auf eine einfache Formel bringen. Kein wie auch immer gestaltetes Zertifikat kann praktische Erfahrung ersetzen. Praktische Erfahrung alleine bleibt ebenfalls problematisch, solange sie nicht durch konzeptionelles Wissen über technische Prinzipien und Zusammenhänge untermauert ist. Ohne einen nachweisbaren Wissensstand muss selbst ein erfahrener IT-Profi einem potentiellen Arbeit-oder Auftraggeber ausführlicher erklären, über welches Know-how er oder sie denn tatsächlich verfügt. Hochqualifizierte IT-Fachkräfte, die das Paradigma vom lebenslangen Lernen verinnerlicht haben, verfügen daher über beides: praktische Erfahrung und ein entsprechendes Zertifikat.

Qualifikation = Praxis + Zertifizierung


Eingetragen Fr, 14. Nov 2008 7:53 von Maik
Abgelegt unter:

Comments

tbarbosa wrote re: Zertifizierung in der IT-Branche
on Fr, 05. Nov 2010 11:09

Hallo,

Ein Freund von mir hat vor ein paar Monaten die CCNA-zertifizierung von Firebrand Training in Deutsland gemacht und nach fünf Tagen war er zertifiziert. Das ging wirklich schnell. Er sagte, die Instruktoren hätten sich in der CCNA-Materie sehr gut ausgekannt. Hoffe das hilft. Viel Glück mit dem Kurs. Welcher ist der beste Kurs, um mit der Cisco-Zertifizierung anzufangen? Was sind die besten Bücher und Lernmethoden um die <a href="www.firebrandtraining.de/.../ccna.asp">CCNA prufung</a>zu schaffen?  Was sind so die besten Bootcamps?

Ich würde mich über Ihre Unterstützung und Informationen für meine Recherche freuen.

Rudi Kulsberg

CertBase - IT-Prüfungsvorbereitung Online